Sophie Fürstin von Albanien

Sophie Fürstin von Albanien, Prinzessin zu Wied, Prinzessin von Schönburg-Waldenburg

Es ist Anliegen der Veröffentlichung, die facettenreiche Lebensleistung einer außergewöhnlichen Persönlichkeit der Zeitgeschichte zu würdigen und anhand einer Bildbiographie der Vergessenheit zu entreißen. Die Publikation soll nicht allein den Lebensweg der aus unserer Region stammenden Probandin darstellen, sondern auch deren Entwicklung und Stellung zum gesamtgesellschaftlichen Kontext der Jahre zwischen 1900 und 1935 skizzieren.

Die umfangreichen Recherchen hierzu wurden durch den ARTIS CAUSA e.V. in Archiven, Bibliotheken, öffentlichen Museen und Privatsammlungen in Deutschland, österreich, Frankreich, Rumänien und den USA vorgenommen. Besonders hohes Augenmerk soll bei der Veröffentlichung das bildliche Material als gleichberechtigte Quellenkategorie erhalten. In der zunehmend visualisierten Welt soll durch die Herausgabe als Bildbiographie eine bisher kaum genutzte Darstellungsform gewählt werden, die mit der exakten historischen Kommentierung des bildlichen Materials sowohl die bedeutende wissenschaftliche Komponente einer solchen Publikation berücksichtigt, als auch in der hohen und qualitätsvollen Abbildungsfülle und Reichhaltigkeit die Gewähr bietet, durch „Schau-Lust“ eine große Anzahl Betrachter und Leser an das interessante Thema heranzuführen. Die ca. 250 vorgesehenen Abbildungen sind fast ausschließlich Erstveröffentlichungen; wie dieses Thema generell ein Desiderat darstellt.

Die einer traditionalen Elite angehörende Prinzessin Sophie Schönburg (1885-1936) durchlebte Kaiserreich, Weimarer Republik und den beginnenden Nationalsozialismus und widersetzte sich den zu dieser Zeit und in ihrer Gesellschaftsschicht geltenden Konventionen und führte ein weitgehend selbstbestimmtes und unabhängiges Leben, das sie – regional als auch überregional agierend – uneigennützig in den Dienst von Kunst und Kultur stellte. Sie kompensierte damit den gesellschaftspolitischen Abstieg und Bedeutungs-verlust der eigenen Klasse. Den materialistischen Strömungen in der Gesellschaft setzte sie ein idealistisches Lebensmodell entgegen.

Ihre kulturelle Prägung erhielt Sophie von Schönburg-Waldenburg durch Königin Elisabeth von Rumänien, die als „Carmen Sylva“ in die Literaturgeschichte einging. Außerdem erfuhr sie am rumänischen Königshof die Ausbildung in verschiedenen künstlerischen Techniken (Gesang, instrumentales Spiel, Malerei), die sie zeitlebens zu vervollkommnen bemüht war.

Nach ihrer Heirat mit Wilhelm zu Wied 1906 in Waldenburg lebte sie in Berlin und Potsdam. In die gesellschaftlichen Verpflichtungen des kaiserlichen Hofes war sie eingebunden und pflegte u.a. engeren Kontakt zu Kronprinzessin Cecilie, einer Jugendfreundin. Ihrem Drang nach Betätigung und Perfektion folgend, nahm sie Gesangsunterricht und arbeitete an der Verbesserung ihres Harfenspiels. Sie trat in näherer Bekanntschaft zu den Mitbegründern der Berliner Sezession, Dora Hitz und Franz Skarbina; bei Letzterem nahm sie Malunterricht. Die Batiktechnik und das Emaillieren von Schmuckstücken erlernte sie bei Albert Reimann, dem Begründer der „Schule Reimann“, die nach der Emigration des jüdischen Kunsthandwerkers 1935 in London neu aufgebaut wurde. 1909 erfolgte Prinzessin Sophies Wahl zur Vorsitzenden des Vereins „Volkskunst“.

Sophie zu Wied führte einen musikalischen Salon, der als der erste und führendste dieser Art in Berlin und Potsdam galt und sich durch außergewöhnlich hohes Niveau auszeichnete. Namhafte Musiker gastierten hier: die gefeierte Opernsängerin Lilli Lehman, Engelbert Humperdinck, Max Bruch, Max Reger, Charles Marie Widor, Xaver Scharwenka, Henri Marteau, August Bungert, die Brüder Prill, Frieda Kwast-Hodapp und James Kwast u.v.a.. Weiterhin förderte sie junge, aufstrebende Talente aus ganz Europa: Aurelia Cionca, Issay Barmas, Florizel von Reuter, Mitja Itkis, Ossip Gabrilowitsch (Schwiegersohn von Mark Twain) und George Enescu. Sophie organisierte zudem für die Carmen-Sylva-Stiftung Konzerte und Lotterien zugunsten junger talentierter, aber unbemittelter Musiker und engagierte sich im Berliner Lyceumclub.
Ihr Wirken in Berlin und Potsdam wurde schließlich durch politische Ereignisse außerordentlicher Tragweite beendet.

Wilhelm zu Wied nahm 1914 den albanischen Thron an. Die ehrgeizige Sophie bestärkte ihren Gatten dabei mit Vehemenz; sah sie doch für sich nun die Möglichkeit einer komplexen Lebensaufgabe. Kurz vor der übersiedelung nach Albanien empfing sie eine Delegation dieses Landes in Waldenburg. Das neue Herrscherpaar verkannte jedoch die Situation in dem durch ethnisch-religiöse Konflikte zerrütteten Staat und scheiterte - unter Lebensgefahr - nach nur 180 Tagen, nachdem die verschieden ambitionierten Großmächte infolge des beginnenden Weltkrieges ihre zugesagte Unterstützung vorenthielten.

Den Zusammenbruch der Monarchie durchlebte Sophie in Waldenburg. Nach all dem Desaster „flüchtete“ Sophie, von ihrem Mann nunmehr getrennt wechselweise in Waldenburg und Rumänien lebend, seit 1919 jährlich für einige Wochen nach Weimar.
Dort bewohnte sie als Nachbarin von Goethes Gartenhaus ein kleines Häuschen. In dieser Zeit der Neufindung, an einem Ort, wo sich in spannender Weise Tradition und Moderne berührten, eröffneten sich für die Fürstin neue Betätigungsfelder. In Weimar initiierte sie künstlerische Feste sowie literarische und musikalische Aufführungen (u.a. „Iphigenie“, „Sommernachtstraum“) unter Einbeziehung der Weimarer Bevölkerung und scharte einen illustren Kreis um sich. Einige von ihnen fanden sich in der sogenannten „Gesellschaft der Bäume“ wieder, zu der vor allem Vertreter des künstlerischen und Geisteslebens Weimars zählten. Es sind neben Kontakten zu Hans Wahl (Direktor Goethe Nationalmuseum), Werner Deetjen (Direktor Anna-Amalia-Bibliothek ), Max Hecker (Archivar Goethe- u. Schiller-Archiv), Georg Lührig (Maler, Rektor Kunstakademie Dresden) und Walter Vulpius auch zahlreiche Begegnungen mit Siegfried und Winifred Wagner, Elisabeth Förster-Nitzsche, Anna Luise Fürstin zu Schwarzburg, Peter Raabe, Börries v. Münchhausen, Mathilde Freytag v. Loringhoven und Harry Graf Kessler u.v.a. belegt.
Das Goethesche Weimar inspirierte die Fürstin insbesondere zu eigenen literarischen Arbeiten. Sophies kleiner Musenhof war sozusagen ein Schmelztiegel verschiedenster Charaktere. Sie relativierte das Spektrum der hier vorhandenen, oft diametral zueinanderstehenden Weltanschauungen auf den Wert des ihr eminent wichtigen politik- und ideologiefreien Kunstbegriffes. So reichte der sie umgebende Kreis vom völkisch-national gesinnten Schriftleiter des „Türmers“, Friedrich Lienhard, bis hin zum Maler Alfred Ahner – einem Kommunist.

Bereits als junges Mädchen zeigte Sophie ein schriftstellerisches Talent. Angeregt von der Märchen- und Sagenwelt Rumäniens schrieb sie recht früh ein Elfenmärchen und publizierte in den frühen 20ern weitere Kunstmärchen in der Gesellschaft der hessischen Bücherfreunde. In Darmstadt lernte sie Kuno Graf Hardenberg kennen, der – wie sie – ein Freund der Kunst und des Okkulten war. Musikalisch arbeitete sie v.a. mit der Lisztschülerin Ella Adajewski zusammen, deren Griechischer Chortanz 1922 auf Sophies Initiative in Waldenburg uraufgeführt wurde.
Ein Höhepunkt im künstlerischen Schaffen der Fürstin stellte jedoch ihr gedichtetes und komponiertes musikalisches Märchenspiel „Der goldene Schlüssel“ dar. 1926 und 1927 unter Einbeziehung weitester Bevölkerungskreise im Park Grünfeld bei Waldenburg bzw. im Schloßpark Lichtenstein aufgeführt, kann es als ein Vermächtnis Sophies gelten, die hier ihr ideales Natur- und Gesellschaftsbild deklamierte. Inhaltlich thematisierte sie die Wiedergewinnung von Phantasie, Schönheit und Geist durch die Kunst, die die von Materialismus und Unmenschlichkeit geprägte Zeit überwindet.
Die Gründung des Deutschen Franz Liszt-Bundes durch Peter Raabe (späterer Präsident der Reichsmusik-kammer als Nachfolger Richard Strauss’) ging auf Sophie von Albaniens Initiative zurück, die bereits nach den Deutschen Festspielen (1926) 1927 in Weimar diese Vereinigung ins Leben gerufen hatte. Aktiv arbeitete sie an der Profilierung der Vereinigung mit und widmete sich der Mitgliederanwerbung. Ebenso konnte durch ihre Mithilfe bei der Lisztforschung 1936 die Erstausgabe der „Rumänischen Rhapsodie“ dieses Komponisten erfolgen. Unter der Maxime „Nur unter Künstlern atme ich frei!“ umgab sie sich weitab aller gesellschaftlichen Schranken als selbstkritische Künstlerin mit Künstlern.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten legte sie demonstrativ 1933 (wie auch ihr Bruder, Fürst Günther von Schönburg-Waldenburg, der u.a. Mitgründer und Präsident der Deutschen Kunstgesellschaft Berlin und Präsident des Rotary Clubs Chemnitz war) ihre zahlreichen Ehrenämter mit der programmatischen Bemerkung nieder: „Meiner Ansicht nach ist Politik der größte Feind der Kunst und beide sollten nichts miteinander zu tun haben ... die Kunst ist eine freie Himmeltochter, während die Politik eine sehr unfreie Erdentochter ist“.

In ihrem letzten schriftstellerischen Werk, dem autobiographischen Roman „Isvor“, sagt sie bereits 1935 das endgültige Scheitern ihrer gesellschaftlichen Klasse als unmittelbar bevorstehende und gerechte historische Gesetzmäßigkeit voraus.

Sophie von Schönburg-Waldenburg/Albanien starb überraschend 1936 im 51. Lebensjahr und fand in der Familiengruft des Schlosses Lichtenstein ihre letzte Ruhestätte.

Die Publikation der Biographie wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes aus dem Fonds zur Förderung bürgerlichen Engagements für Kultur in den Neuen Ländern und erscheint im Oktober 2009.