Veranstaltungsdetails

Sun, 24. April 2005 - 17:00 Uhr: Gelber Saal Schloss Waldenburg
"Musikalische Nacht-Wache" mit Bachpreisträger Frank Gutschmidt

Johann Sebastian Bach: Goldberg-Variationen

Programm:

Johann Sebastian Bach (1685-1750): Aria mit verschiedenen Veränderungen
„Goldberg-Variationen“ BWV 988
(Klavierübung Teil IV, 1741 erschienen)

Aria

Variatio 1
Variatio 2
Variatio 3 Canone all’Unsisono
Variatio 4
Variatio 5
Variatio 6 Canone alla Seconda
Variatio 7
Variatio 8
Variatio 9 Canone alla Terza
Variatio 10 Fughetta
Variatio 11
Variatio 12 Canone alla Quarta
Variatio 13
Variatio 14
Variatio 15 Canone alla Quinta, Andante


: PAUSE


:
Variatio 16 Ouverture
Variatio 17
Variatio 18 Canone alla Sexta
Variatio 19
Variatio 20
Variatio 21 Canone alla Settima
Variatio 22 Alla breve
Variatio 23
Variatio 24 Canone all’Ottava
Variatio 25 Adagio
Variatio 26
Variatio 27 Canone alla Nona
Variatio 28
Variatio 29
Variatio 30 Quodlibet

Aria da capo

Über die Goldbergvariationen:
“Dieß bewundernswürdige Werk besteht aus 30 Veränderungen, worunter Canones in allen Intervallen und Bewegungen vom Einklang bis zur None mit dem fasslichsten und fließendsten Gesange vorkommen. Auch ist eine regulaire 4stimmige Fuge, und außer vielen andern höchst glänzenden Variationen für 2 Claviere, zuletzt noch ein sogenanntes Quodlibet darin enthalten, welches schon allein seinen Meister unsterblich machen könnte, ob es gleich hier bey weitem noch nicht die erste Partie ist.
Dieses Modell, nach welchem alle Variationen gemacht werden sollten, obgleich aus begreiflichern Ursachen noch keine einzige darnach gemacht worden ist, haben wir die Veranlassung des ehemaligen Russischen Gesandten am Chursächs. Hofe, des Grafen Kaiserling zu danken, welcher sich oft in Leipzig aufhielt, und den schon genannten Goldberg mit dahin brachte, um ihn von Bach in der Musik unterrichten zu lassen. Der Graf kränkelte viel und hatte dann schlaflose Nächte. Goldberg, der bei ihm im Hause wohnte, musste in solchen Zeiten in einem Nebenzimmer die Nacht zubringen, um ihm während der Schlaflosigkeit etwas vorzuspielen. Einst äußerte der Graf gegen Bach, dass er gern einige Klavierstücke für seinen Goldberg haben möchte, die so sanften und etwas muntern Charakters wären, dass er dadurch in seinen schlaflosen Nächten ein wenig aufgeheitert werden könnte. Bach glaubte, diesen Wunsch am besten durch Variationen erfüllen zu können, die er bisher, der stets gleichen Grundharmonie wegen, für eine undankbare Aufgabe gehalten hatte. Aber so wie um diese Zeit alle seine Werke schon Kunstmuster waren, so wurden auch diese Variationen unter seiner Hand dazu. Auch hatte er nur ein einziges Muster dieser Art geliefert. Der Graf nannte sie hernach nur seine Variationen. Er konnte sich nicht satt daran hören, und lange Zeit hieß es nun, wenn schlaflose Nächte kamen: Lieber Goldberg, spiele er mir doch eine von meinen Variationen. Bach ist vielleicht nie für eine seiner Arbeiten so belohnt worden, wie für diese. Der Graf machte ihm ein Geschenk mit einem goldenen Becher, welcher mit 100 Louisd’or angefüllt war. Allein ihr Kunstwerth ist dennoch, wenn das Geschenk auch tausend Mahl größer gewesen wäre, damit noch nicht bezahlt.“ (Johann Nikolaus Forkel „Über Johann Sebastian Bachs Leben, Kunst und Kunstwerke“, 1802)

Bachs Aria mit 30 Veränderungen „verkörpert nicht schlechthin ein Kompendium an Variationskunst ..., sondern versteht im Wechselspiel von Bindung und Freiheit Phantasie und Formstrenge in bisher ungekannter Weise zu höherer Einheit zu führen.!
„Als Rückgrat des gesamten Organismus fungieren die schon bei Forkel hervorgehobenen Kanons (Variation 3, 6, 9 usw. bis 27), überwiegend dreistimmige Sätze mit kanonisch geführten Oberstimmen und einer an das Bassmodell angelehnten freien Grundstimme. Die Nachahmung beginnt im Einklang (Variation 3) und schreitet – gelegentlich auch die Technik der Umkehrung einbeziehend – bis zum Intervallabstand einer None fort. Die höchste Verdichtung erreicht der auf Zweistimmigkeit reduzierte letzte Kanon (Variation 27), der der Unterstimme gleichzeitig Bassfunktion, Anlehnung an das Bassthema sowie strenge Kanonführung zumutet.
Eine zweite Reihe von Variationen (1, 5, 8, 11, 14, 17 usw. bis 23, 26, 28, 29) stellt die technische Virtuosität in den Vordergrund mit Überkreuzen der Hände sowie raschen Passagen und Akkordbrechungen. Überwiegend werden hier beide Manuale benutzt, der ?-Takt des Aria-Modells herrscht vor.
Die dritte Reihe schließlich (Variation 2, 4, 7, 10, 13 usw. bis 22, 25) stellt unterschiedliche Charaktere, Satzmodelle, Formprinzipe, Satztypen heraus. Hier finden sich neben einer Gigue voller Verve (Var. 7), einer regelmäßig durchgeführten Fughette (Var. 10), einer voll ausgebildeten Französischen Ouvertüre (Var. 16), einem antikisierenden Allabreve (Var. 22) auch eine so eindringliche Klage wie das g-moll-Adagio (Var. 25), auf das jenes Urteil zutreffen mag, nach dem jedes Stück ,unter seinen – Bachs – Händen gleichsam wie eine Rede sprach’“. (Hans-Joachim Schulze, 1988)

Frank Gutschmidt / Klavier
Frank Gutschmidt wurde 1971 in Berlin geboren.
Mit 8 Jahren erhielt er dort an der Musikschule seinen ersten Klavierunterricht.
Er studierte an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin bei Dieter Zechlin, Annerose Schmidt und Alan Marks.
1986 und 1988 gewann er 1. Preise bei den nationalen Wettbewerben „Johann Sebastian Bach“ in Leipzig und „Franz Liszt“ in Weimar. 1991 erhielt er den Parke-Davis Förderpreis und 1995 den Förderpreis der Musikakademie Rheinsberg.
Als Solist und Kammermusiker widmet Frank Gutschmidt sich vorrangig Werken der Neuen Musik. Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet Frank Gutschmidt mit Paul-Heinz Dittrich: Er führte dessen 7 Klaviermusiken auf und spielte zusammen mit Irina Emeliantseva eine Gesamtaufnahme auf CD ein.
2001 und 2002 hat er bei den Stockhausen-Kursen Kürten Preise für die Aufführung von Klavierstücken Stockhausens gewonnen. Seit 2003 unterrichtet er dort zusammen mit Benjamin Kobler die Klavierklasse und tritt in Konzerten der Klangregie Stockhausens als Solist und im Ensemble auf.