Veranstaltungsdetails

Sat, 18. June 2005 Uhr: Blauer Saal Schloss Waldenburg
Anner Bylsma

ab 10 Uhr: master classes und langer Abend mit Vorträgen und Filmen
2. SHAFRAN FESTIVAL 2005 Waldenburg

Programm:

Anner Bylsma: MEISTERKURSE
VORTRÄGE
FILM über das Leben Daniil Shafrans

Die Meisterkurse sind öffentlich und können von Gästen besucht werden.
Eintrittskarten für Gäste können auf dieser Seite bestellt werden.
Studenten bestellen Ihre Meisterkurskarten bitte über die Projektseite SHAFRAN FESTIVAL unter Projekte.

Die Vorträge von Herrn Bylsma und der Film über Daniil Shafran sind für alle Besucher frei.

Anner Bylsma
Wenn man einen Musiker als Vater hat, zeigt der Beginn des Violinspiels mit drei Jahren weniger das Genie eines Kindes (alle Kinder mit drei sind Genies) als den Sinn fürs Überleben. Eines Vaters Liebe für Musik lässt kaum Raum für anderes. Die Muse ist eine anspruchsvolle Dame, aber die Vernarrtheit eines Vaters kann man auf sich selbst lenken. Man nehme einfach irgendein beliebiges Musikinstrument.
Und wie mein Vater Musik liebte! Ein derartig sanfter, geduldiger Mann. Professioneller Posaunist (Soloposaunist der Den Haag Philharmonie), schrieb er Arrangements, komponierte, dirigierte, spielte die Bratsche und unterrichtete, unterrichtete, unterrichtete.
Mit acht beginne ich mit dem Cellospiel (was sonst niemand in der Familie tat) und erlebe die Kammermusik jetzt wirklich, überrasche mich selbst manchmal dabei, die jugendlichen Melodien von Beethovens Opus 9 in den Straßen zu singen… Erinnerungen…
Später, Konservatorium. Mein Lehrer: Carel van Leeuwen Boomkamp. Wie glücklich sind wir Musikstudenten, sogar bis zum heutigen Tag, in privaten Unterrichtsstunden bei einer Persönlichkeit großen Formats lernen zu können. Boomkamp schreibt im letzten Kriegswinter (als alle untertauchen) ein Buch über barocke Aufführungspraxis: heute mit Sicherheit ein Klassiker, wenn es nicht in Holländisch geschrieben worden wäre.
Nach den Studien kommen die Trophäen, welche die Biographien schmücken (selbst wenn sie vierzig Jahre alt sind): Prix dExcellence des Konservatoriums, Erster Preis im Casals Wettbewerb (1959) und noch weitere, die ich mittlerweile vergessen habe. Und dann Arbeit… Und Zweifel. Ist dies wirklich das, was ich mein ganzes Leben lang tun möchte, meine Finger auf diesem kleinen Brett aus Ebenholz hoch und runter zu bewegen? Sollte ich nicht lieber einen anständigen Beruf nehmen? Aber was?
Ich werde erster Cellist des Concertgebouw-Orchesters. Gutes Orchester, gute Stelle, aber kein Abenteuer. Glücklicherweise, in eben diesen Sechzigern, entsteht die Suche nach dem Klang authentischer Instrumente. Edelsteine im Staub auflesen, sozusagen. Recht schwer zu machen, interessant, ein bisschen frech auch, Großes in der Musik aufzeigend.
Auf Wiedersehen, Stelle. Gott hilft dem, der sich selbst hilft.
Eine wiederentfachte Liebe für Musik - sämtliche Musik – und genügend Abenteuer: Kammermusikgruppen; allein mit den Bachsuiten; ein Ensemble für Musik des zwanzigsten Jahrhunderts; normale Konzerte mit Klavier und normale Solokonzerte mit Orchestern; jede Art von Duos, Trios und größeren Os sowie Aufnahmen, Aufnahmen. Und - ich vergaß es fast - Jahre des Unterrichtens an Konservatorien.
Hobbys entstehen, wie das Spielen von Musik berühmter Cellisten vergangener Tage: CDs von Dotzauer, Servais, Franchomme (Duo Concertant), Duport und Romberg (König von Preußen). Wiederkehr des Cellos des siebzehnten Jahrhunderts und, natürlich, viel Boccherini. Das Cello piccolo ist ein weiteres Hobby.
Archibudelli - Darmsaiten in der Kammermusik des 19. Jahrhundert. Zusammenspiel mit alten zeitgenössischen Klavieren ist noch eines, und jetzt die letzte Sache: das Schreiben eines Buches, Bach, the fencing master (1998). Hilfe! Die Suiten müssen geübt werden, als ob ich sie nie vorher gesehen hätte.
Und immer noch fragen Leute, Womit verdienen Sie eigentlich Ihr Geld?